Ein langer Arbeitstag – und am Abend fragst du dich, warum du so wenig erledigt hast, obwohl du stundenlang beschäftigt warst?
Gutes Zeitmanagement ist im Homeoffice kein Nice-to-have, sondern essenziell, um effizient, zufrieden und ausgeglichen zu bleiben.
Warum Zeitmanagement im Homeoffice herausfordernd ist
Zeit ist eine begrenzte Ressource, die irgendwie überall fehlt – vor allem im Homeoffice. Zwischen Arbeitsaufgaben schnell noch die Wäsche machen, kochen oder die Post entgegennehmen – bei der Arbeit von zuhause fehlen oft klare Strukturen und die Ablenkungsmöglichkeiten sind vielzählig. Dieses Verschmelzen von Arbeit und Privatleben macht es besonders schwer, die verfügbare Zeit zufriedenstellend einzuteilen.
Typische Zeitfresser im Homeoffice
1. Ablenkung durch Medien
Auch wenn wir bei der Arbeit vor Ort ebenso Ablenkung durch Medien erfahren, ist dies im Homeoffice oft noch stärker. Hier gibt es weniger Grenzen von außen, wie z.B. dass Vorgesetzte kurz vorbeischauen oder KundInnen anrufen. So verlieren wir uns schneller in eingehenden Nachrichten, ob E-Mail oder Social Media, und der Übergang von beruflich zu privat geschieht fast unbemerkt.
2. Multitasking
Dass unser Gehirn gar nicht wirklich multitaskingfähig ist, wissen wir längst. Trotzdem versuchen die meisten im Homeoffice ihr Glück beim Multitasking. Mit dem Erfolg, dass der ständige Wechsel kognitiv ermüdet und unseren Fokus schwächt. Statt also die Zeit bestmöglich zu nutzen, verlieren wir so an Effizienz: Wir schaffen weniger, obwohl es sich so anfühlt, als machen wir alles auf einmal.
3. Rollenkonflikte
Wenn der Arbeitsplatz im Homeoffice kein abgegrenzter Raum ist oder wir keine fixen Zeiten haben, zu denen wir strikt nur Arbeitsaufgaben erledigen, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben schnell. Die unterschiedlichen Rollen, die wir als PartnerIn, Eltern oder Arbeitnehmende einnehmen, überschneiden sich somit häufiger, was mitunter viel Energie und Zeit rauben kann. Auch hier ist ein ständiger Wechsel der „Rolle“ kognitiv ermüdend und zudem fehlt oft ein klares Signal, welches diesen Wechsel ankündigt (z.B. Pendelweg).
4. Fehlende Struktur und Support
Bei der Arbeit vor Ort geben gemeinsame Pausen, Meetings und allgemein festere Arbeitszeiten einen äußeren Rahmen. Außerdem können das gemeinsame Arbeiten und zuweilen auch die externe Kontrolle uns motivieren und somit die Produktivität hochhalten. Im Homeoffice hingegen, existieren solche Strukturen und soziale Unterstützung meist nur bedingt. So fällt es uns schwerer, eine strenge Zeiteinteilung zu befolgen und Routinen zu etablieren. Ohne diese Routinen verwenden wir allerdings deutlich mehr Zeit und mentale Ressourcen für immer wiederkehrende Entscheidungen über die nächsten Schritte. Gleichzeitig führt das Fehlen von Struktur und Routinen oft zu Stress und Überforderung, was wiederum bewirkt, dass wir Aufgaben vor uns herschieben und so immer mehr unter Zeitdruck geraten.
Wenn der Tag dich steuert – Folgen von fehlendem Zeitmanagement
Ein gutes Zeitmanagement verhindert Überforderung, steigert unsere Leistungsfähigkeit und schützt unsere mentale Gesundheit. Vernachlässigen wir es, leidet sowohl unser persönliches Wohlbefinden als auch beruflich, die Qualität unserer Arbeit.
4 Folgen im Überblick
1. Ungleichgewicht zwischen Freizeit und Beruf
Gerade wenn die Arbeit in einem privaten Umfeld (zuhause) stattfindet, entsteht schneller ein Ungleichgewicht zwischen der freien Zeit und der Arbeitszeit – häufiger zu Lasten der Freizeit. Arbeitnehmende arbeiten im Homeoffice tendenziell länger und die Arbeit zuhause erschwert es, gedanklich ganz „abzuschalten“. Das reduziert die Erholungsfähigkeit.
2. Reduzierte Produktivität und Arbeitsqualität
Wenn wir unsere Zeit nicht richtig einteilen, benötigen wir mehr Zeit und Energie für Entscheidungsfindung, Umschalten zwischen Aufgaben und die Anpassung von einem Umfeld zum anderen. Dadurch braucht man länger für Aufgaben oder erreicht weniger in derselben Zeit. Gleichzeitig entstehen bei ständiger Eile und häufigen Ablenkungen mehr Fehler, was die Qualität der Arbeit beeinträchtigen kann.
3. Stress und mentale Erschöpfung
Ständiger Zeitdruck und das Gefühl, „hinterherzuhinken“, erzeugen Stress. Auf Dauer belastet das unser Nervensystem und kann zu chronischem Stress bis hin zu Burnout führen.
4. Motivationsverlust und Prokrastination
Fehlendes Zeitmanagement hat oft auch einen Verlust an Motivation zur Folge. Das Gefühl, „nie fertig zu werden“ und immer „hinterherzuhängen“, demotiviert und man gerät schnell in eine Negativspirale – je weniger man schafft, desto weniger motiviert ist man, weiterzumachen. Eine schlechte Zeitstruktur begünstigt außerdem, dass wir anspruchsvollere oder unbeliebtere Aufgaben aufschieben, was wiederum Stress und Zeitdruck weiter erhöht.
Was ist Prokrastination?
Prokrastination bezeichnet das bewusste Aufschieben von Aufgaben, die man eigentlich erledigen müsste – ein Phänomen, das wir alle kennen. Gerade wenn Aufgaben unklar, weit in der Zukunft oder sehr komplex sind, tendieren wir dazu, sie aufzuschieben. Zudem beeinflussen Faktoren wie unser Energielevel, die Stimmung und die Verfügbarkeit von Alternativen, ob wir prokrastinieren oder nicht1.
Wie gutes Zeitmanagement im Homeoffice gelingt
Gutes Zeitmanagement entsteht nicht von allein – es zeigt sich in kleinen, wiederholten Gewohnheiten. Wenn wir gezielt förderliche Routinen aufbauen, arbeiten wir strukturierter, bleiben motivierter und schützen gleichzeitig unsere mentale Energie.
5 förderliche Gewohnheiten
- Timeboxing: Plane feste Phasen für konzentrierte Arbeit (z.B. 60–90 min), genauso wie feste Pausenzeiten ein. Rechne für jeden Arbeitsblock ein wenig Pufferzeit mit ein.
- Priorisierung: Verschaffe dir bei Arbeitsbeginn einen Überblick aller Aufgaben und priorisiere, welche Aufgaben zuerst erledigt werden müssen. Hier eignet sich z.B. die Verwendung der Eisenhower-Matrix, wonach Aufgaben nach deren Wichtigkeit und Dringlichkeit geordnet werden. So schaffst du eine klare Aufgabenübersicht und kannst deine Zeit entsprechend einteilen.
- Input bündeln: Gerade in Bezug auf E-Mails und Nachrichten ist es empfehlenswert, neuen Input so gut es geht zu bündeln, d.h., lese und beantworte Nachrichten z.B. nur in festen Zeitfenstern. So wird man nicht ständig in seiner Arbeit unterbrochen, kann den Fokus bewahren und ist nicht immer am Reagieren.
- Ablenkung minimieren: Benachrichtigungen, neue E-Mails oder Social Media – es gibt viele Ablenkungsmöglichkeiten im beruflichen Alltag. Bewusst Benachrichtigungen auszuschalten, das Handy wegzulegen und Ablenkungen zu minimieren, hilft, Zeit zurückzugewinnen und produktiv zu arbeiten.
- Energiemanagement berücksichtigen: Unsere Energie und Motivation sind limitierte Ressourcen. Für gutes Zeitmanagement müssen wir diese Faktoren berücksichtigen. Lege also komplexere, anspruchsvollere Aufgaben in Phasen, in denen du mehr Energie hast (häufig zu Beginn des Tages), und Routineaufgaben können dann in den Energie-Tiefs des Tages erledigt werden.
Fazit
Gutes Zeitmanagement ist im Homeoffice ein zentrales Werkzeug zur Erhaltung des Wohlbefindens, der Effizienz und des langfristigen Erfolgs. Ablenkungen, fehlende Struktur und Grenzen erschweren bei der Arbeit zuhause die produktive Zeiteinteilung, was u.a. Stress, Überforderung und Prokrastination begünstigt. Klare Routinen, Priorisierung und die Bündelung von Aufgaben helfen, unsere Energie zu erhalten und die verfügbare Zeit bestmöglich zu nutzen.
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The bad news is ‘time flies.’ The good news is ‘you are the pilot.’
Michael Altshuler
Quellen:
- Steel, P., Svartdal, F., Thundiyil, T., & Brothen, T. (2018). Examining procrastination across multiple goal stages: A longitudinal study of Temporal Motivation Theory. Frontiers in Psychology, 9, 327. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00327 ↩︎
- Grenčíková, A., Španková, J. & Kordoš, M. (2024). The impact of home office on employee productivity and work balance. Problems and Perspectives in Management, 22(1), 244–254. https://doi.org/10.21511/ppm.22(1).2024.21
- Sesay, I.T. (2025) Mastering time management for remote workers: Proven strategies for peak productivity. Open Access Library Journal, 12, 1-21. doi: 10.4236/oalib.1114057