Homeoffice: 6 Tipps für eine bessere Work-Life-Balance

Eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gewinnt für Arbeitnehmende zunehmend an Bedeutung. Wir möchten erfolgreich in der Karriere sein, aber auch genug Zeit für Familie, Freunde und Freizeit haben – und dann ist da noch der Haushalt, Erledigungen und andere Verpflichtungen, die unsere Zeit in Anspruch nehmen.

Von zu Hause aus zu arbeiten, bietet da die Chance auf eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit – oder?  

Fast ein Viertel der Deutschen arbeitete im Jahr 2023 regelmäßig von zu Hause aus1. Studien zu mobilem Arbeiten zeigen, dass Arbeitnehmende im Homeoffice meist weniger Stress erleben und von einer besseren Work-Life Balance berichten2. Gleichzeitig zeigen neuere Erkenntnisse, dass die Arbeit in den eigenen vier Wänden die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen lässt – was sich wiederum negativ auf uns auswirken kann3.

Während das Homeoffice also Vorteile bietet, birgt es auch neue Herausforderungen, die sorgfältig abgewogen werden müssen, um eine optimale Work-Life-Balance und Arbeitsleistung zu gewährleisten.

1 – Stressreduktion: Wie bereits erwähnt, kann sich der empfundene Stress beim Arbeiten im Homeoffice reduzieren4. Das liegt z.B. an dem Wegfall des oft stressigen und unter Umständen langen Arbeitsweges mit Berufsverkehr, Parkplatzsuche oder unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir können also, indem wir im Homeoffice bleiben, Zeit sparen, die wir nun wiederum für Freizeit, Haushalt oder noch mehr Arbeit verwenden können.  

2 – Individuelles Arbeitsumfeld: Wenn wir von zuhause aus arbeiten, haben wir den Vorteil, den Arbeitsplatz nach eigenen Belieben einrichten zu können. Wir können den Raum, den Tisch, die Umgebung so gestalten und anpassen, wie es für uns angenehm ist – ästhetisch, ergonomisch und komfortabel. Umgebungsgeräusche, Temperatur, Kleidung – alles können wir zu unserem Komfort gestalten, sodass wir bestmöglich an bevorstehenden Projekten arbeiten können.

3 – Erhöhte Produktivität: Während wir für uns alleine zuhause arbeiten, erleben wir meist weniger Ablenkungen: keine Unterbrechungen durch KollegInnen, meist weniger Meetings und tendenziell weniger oder zumindest kürzere Kaffeepausen. Auch die Lautstärke ist zuhause meist geringer als im Büro, vor allem wenn man vor Ort in einem Großraumbüro arbeitet. Dadurch erhöht sich unser Fokus und wir werden effizienter, vor allem bei Aufgaben, die viel Konzentration erfordern. Auch Studien zeigen, dass die Produktivität von Arbeitnehmenden im Homeoffice oft höher ist als beim Arbeiten vor Ort5.

4 – Verbesserte Work-Life-Balance: Die größere Flexibilität, die wir im Homeoffice erleben, hilft uns, die verschiedenen persönlichen und beruflichen Anforderungen besser zu managen und unter einen Hut zu bekommen. Dadurch fühlen wir uns ausgeglichener und weniger gestresst6.

5 – Förderung der Gesundheit: Weniger Stress, eine bessere Work-Life-Balance und Wohlfühlen am Arbeitsplatz? Da ist es nur logisch, dass das Arbeiten von zuhause aus, auch unsere Gesundheit fördert. Weitere Vorteile für unsere Gesundheit ergeben sich zum Beispiel durch die Möglichkeit im Homeoffice gesündere Mahlzeiten zu kochen, sich zwischendurch mehr zu bewegen und insgesamt den Tag ausgeglichener zu gestalten, indem wir zwischen Arbeit und Privatleben nach Bedarf „wechseln“ können.

Nicht alles ist im Homeoffice nur positiv. Deshalb hier auch ein paar häufig erlebte Nachteile, die nicht zu unterschätzen sind.

1 – Mehr Isolation/Einsamkeit: Ein häufig genannter Nachteil ist die soziale Isolation7. Im Homeoffice sitzen wir nicht neben unseren KollegInnen und so reduziert sich schon ganz automatisch der soziale Austausch, den wir über den Arbeitstag hinweg haben. Selbst wenn wir an vielen online Meetings teilnehmen, können diese nicht ganz die positiven Auswirkungen und unser Zugehörigkeitsgefühl, welche wir aus persönlichen (face-to-face) Interaktionen bekommen, ersetzen.

2 – Technische Störungen: Probleme mit der Technik können uns im Homeoffice einmal mehr einen Strich durch den Workflow machen und unsere Arbeit verlangsamen, unterbrechen oder gar unmöglich machen. Das frustriert natürlich und führt schneller zu Erschöpfung7.

3 – Häufigere Unterbrechungen: Während der Arbeit von zuhause aus besteht die Gefahr, dass wir schneller wegen anderer haushalts- oder familienbezogener Anforderungen unterbrochen werden9. Gerade wenn weitere Familienmitglieder zu den Arbeitszeiten zuhause sind, kann dies die Arbeit und Konzentration dabei erschweren. Häufige Unterbrechungen können uns auch hier Zeit und Energie nehmen und uns schneller erschöpfen.

4 – Ungeeignetes Arbeitsumfeld: Je nach Wohnsituation kann der Arbeitsplatz im Homeoffice auch gerne einmal der Küchentisch, die Couch oder anderweitig improvisiert sein. Solch ein Arbeitsplatz kann unsere Gesundheit beeinträchtigen. Zum Beispiel wenn wir längere Zeit in ergonomisch unvorteilhaften Haltungen verharren, können schneller Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems entstehen.

5 – Entgrenzung von Arbeit und Freizeit: Wenn wir nebenan im Büro unsere Arbeit machen oder sogar direkt im Wohn- oder Esszimmer arbeiten, fällt es schwerer nach der Arbeit abzuschalten und Grenzen zu setzen. Der Laptop liegt ja schon da, dann kann man auch nach dem Abendessen noch kurz eine Mail verschicken oder checken, ob schon eine Antwort zu diesem wichtigen Projekt kam – die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwimmen leicht. Zudem berichten viele Arbeitnehmende, dass sie im Homeoffice mehr arbeiten als vor Ort10. Dadurch erhöht sich das Risiko einer Überlastung oder eines Burnouts.

Wenn wir die Vor- und Nachteile von mobilem Arbeiten betrachten, fällt auf, dass einige Faktoren vorteilhaft und gleichzeitig nachteilig für Arbeitnehmende zu sein scheinen. Wie kann das sein?

Der Kontext macht den Unterschied.

Das heißt, die unterschiedlichen Bedingungen zuhause oder am Arbeitsplatz vor Ort beeinflussen, wie wir unsere Arbeit im Homeoffice erleben und entsprechend zeigen sich auch andere Auswirkungen auf uns und unsere Arbeitsleistung.

1. Die Anwesenheit von Kindern oder anderen Familienangehörigen, welche unsere Aufmerksamkeit fordern. Tendenziell bedeuten mehr Personen im Homeoffice, mehr Unterbrechungen und negative Auswirkungen9. Je nachdem können die anwesenden Familienmitglieder aber auch sozialer Isolation vorbeugen und Arbeitnehmende bei der Arbeit unterstützen. Dann ist der Effekt eher positiv.

2. Wie positiv oder negativ wir das Arbeiten von zuhause erleben, wird auch durch die eigene Persönlichkeit beeinflusst12. Wenn wir sehr selbst-diszipliniert und organisiert sind, fällt es leichter, klare Grenzen zu etablieren und sich auch daranzuhalten. Bei Personen, denen dies eher schwerfällt, ist die Gefahr für Überarbeitung oder Prokrastination größer.

3. Wie viel Unterstützung wir im Homeoffice erhalten bzw. welche Ressourcen uns dort zur Verfügung stehen, kann ebenso beeinflussen, ob wir mehr positive oder negative Auswirkungen erleben13. Eine flexible Zeitplanung, ein realistisches Arbeitspensum und eine unterstützende Führungskraft fördern positive Erfahrungen bei der remote Arbeit. Ohne diese Faktoren könnten sich Arbeitnehmende unter Druck gesetzt fühlen, mehr arbeiten zu müssen oder ständig erreichbar zu bleiben.

1: Klare Arbeitszeiten festlegen. Und sich daran halten!

2: Regelmäßige Pausen machen. Diese lassen sich ebenfalls wunderbar planen (und auch einhalten).

3: Etabliere Rituale für den Arbeitsbeginn und das Arbeitsende (z.B. einen Spaziergang). So signalisierst du deinem Kopf, wann die Arbeit aufhört und deine persönliche Freizeit anfängt.

4: Die soziale Interaktion stärken. Auch im Homeoffice können wir informelle soziale Interaktion mit KollegInnen beibehalten. Dafür ist es wichtig, bewusst auch mal eine virtuelle Kaffeepause oder Teamaktivitäten zu planen.

5: Klare Kommunikation ist immer wichtig, aber besonders, wenn man nicht vor Ort arbeitet, sondern von zuhause und nicht alle KollegInnen oder Führungskräfte mitbekommen, wann man arbeitet. Kommuniziere also klar, zum Beispiel auch über einen einsehbaren Kalender oder Ähnliches, wann deine Arbeitszeiten sind, wann du Pause machst und wie lange du erreichbar bist. So fällt es am Abend auch leichter, mit guten Gewissen abzuschalten.

6: Reduziere Multitasking. So verlockend es ist, zwischen Arbeit und Privatleben hin- und herzuspringen und noch kurz die Wäsche zu machen während eines langen Meetings oder schnell ein paar private Erledigungen zwischendurch abzuhaken, so sehr trägt das ständige Multitasking zu unserer Erschöpfung bei. Wenn wir uns auf eine Aufgabe nach der anderen konzentrieren, persönlich oder beruflich, bleiben wir mehr im Moment und arbeiten ressourcenschonender und effizienter.

Never get so busy making a living that you forget to make a life.

Dolly Parton

Quellen:

  1. Statistisches Bundesamt. (2023). Erwerbstätige, die von zu Hause aus arbeiten. destatis.de. https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/home-office.html ↩︎
  2. Fraunhofer IAO (2023). Mobile Arbeit – Sozialpartnerstudie 2023. Fraunhofer IAO. https://www.iao.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/aktuelles/studie-zeigt-chancen-und-risiken-mobiler-arbeit.html ↩︎
  3. Pluut, H. & Wonders, J. (2020). Not able to lead a healthy life when you need it the most: Dual role of lifestyle behaviors in the association of blurred work-life boundaries with well-being. Frontiers in Psychology, 11. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.607294 ↩︎
  4. Shimura, A., Yokoi, K., Ishibashi, Y., Akatsuka, Y., & Inoue, T. (2021). Remote work decreases psychological and physical stress responses, but full-remote work increases presenteeism. Frontiers in psychology12, 730969. ↩︎
  5. Mautz, S. (2018). A 2-year Stanford study shows the astonishing productivity boost of working from home. Inc.com. https://www.inc.com/scott-mautz/a-2-year-stanford-study-shows-astonishing-productivity-boost-of-working-from-home.html ↩︎
  6. Shirmohammadi, M., Au, W. C. & Beigi, M. (2022). Remote work and work-life balance: Lessons learned from the covid-19 pandemic and suggestions for HRD practitioners. Human Resource Development International, 25(2), 163–181. https://doi.org/10.1080/13678868.2022.2047380 ↩︎
  7. Figueiredo, E., Margaça, C., Hernández-Sánchez, B., & Sánchez-García, J. C. (2024). Teleworking effects on mental health—A systematic review and a research agenda. International Journal of Environmental Research and Public Health21(3), 243. https://doi.org/10.3390/ijerph21030243 ↩︎
  8. Figueiredo, E., Margaça, C., Hernández-Sánchez, B., & Sánchez-García, J. C. (2024). Teleworking effects on mental health—A systematic review and a research agenda. International Journal of Environmental Research and Public Health21(3), 243. https://doi.org/10.3390/ijerph21030243 ↩︎
  9. Allen, T. D., Merlo, K., Lawrence, R. C., Slutsky, J. & Gray, C. E. (2020). Boundary management and work‐nonwork balance while working from home. Applied Psychology, 70(1), 60–84. https://doi.org/10.1111/apps.12300 ↩︎
  10. Behrens, B. & Bellmann, L. (2021). Homeoffice: Worin die Vor- und Nachteile bestehen. vdz.org. https://www.vdz.org/personalmanagement-new-work/homeoffice-worin-die-vor-und-nachteile-bestehen ↩︎
  11. Allen, T. D., Merlo, K., Lawrence, R. C., Slutsky, J. & Gray, C. E. (2020). Boundary management and work‐nonwork balance while working from home. Applied Psychology, 70(1), 60–84. https://doi.org/10.1111/apps.12300 ↩︎
  12. Gavoille, N. & Hazans, M. (2022). Personality traits, remote work and productivity. SSRN Electronic Journal. https://doi.org/10.2139/ssrn.4188297 ↩︎
  13. Carlson, D. S., Perry, S. J., Kacmar, M., Wan, M. & Thompson, M. J. (2023). When work and family collide: ‘Resource Caravans’ of personal and contextual resources in remote work. New Technology Work and Employment, 39(1), 19–38. https://doi.org/10.1111/ntwe.12274 ↩︎

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