In unserer modernen Arbeitswelt kommt es nicht selten vor, dass man für sich allein arbeitet. Gerade in Berufen, die aus dem Büro ausgeübt werden, wird heutzutage vermehrt aus dem Home-Office gearbeitet. Dadurch werden die sozialen Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen oft stark reduziert. Was für manche entspanntes, ruhiges Arbeiten bedeutet, kann sich für andere als Belastung darstellen und zu beruflicher Isolation führen.
3 Gründe für berufliche Isolation
Berufliche Isolation (engl. professional isolation) bezeichnet das Fehlen von bedeutungsvollen, sozialen Kontakten im beruflichen Kontext. Es unterscheidet sich dabei von Einsamkeit, welche im Gegensatz zur Isolation eine „subjektive Wahrnehmung von allein sein“ bedeutet, die unabhängig davon ob Menschen um einen herum sind oder nicht entstehen kann. Berufliche Isolation kann aber in vielen Fällen zu Einsamkeit führen und so negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden am Arbeitsplatz haben.
Wissenschaftlichen Erkenntnissen nach tragen u.a. die folgenden 3 Faktoren zu beruflicher Isolation bei:
1. Arbeiten im Home-Office oder an anderen Orten außerhalb des regulären Arbeitsplatzes ist natürlich ein grundlegender Faktor, der die berufliche Isolation verstärken kann. Wenn wir zum Beispiel den ganzen Tag allein zuhause vor dem Laptop sitzen und nur selten im Austausch mit TeamkollegInnen sind, kann schnell ein Gefühl der Isolation entstehen1.
2. Unzureichende oder fehlende Kommunikation und Kommunikationsmöglichkeiten unter KollegInnen. Auch eine unpersönlichere Kommunikation über Medien wie E-Mail, Teams oder auch Videokonferenzen kann das Risiko für berufliche Isolation erhöhen, da die Interaktionen über solche Medien nicht die gleiche Bedeutsamkeit und Tiefe haben, wie ein persönlicher Austausch. Das liegt vor allem daran, dass der persönliche Austausch viel mehr informelle Gesprächsinhalte zulässt und wir uns am Kaffeeautomaten auch mal kurz über das letzte Wochenende oder einen nervigen Zwischenfall bei der Arbeit austauschen können. Diese Art von Austausch ist online schwieriger oder auch gar nicht möglich2.
3. In der Entstehung von beruflicher Isolation spielt außerdem die (fehlende) soziale Unterstützung am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Werden wir von KollegInnen nicht unterstützt und gestärkt, fühlen wir uns isoliert und weniger als Teil der Gruppe oder des Teams1,3.
Auswirkungen von beruflicher Isolation
Entsteht einmal berufliche Isolation, kann dies viele mehr oder weniger schwerwiegende Folgen für den Einzelnen, aber auch das Unternehmen haben.
Hier habe ich einmal 5 negative Auswirkungen von beruflicher Isolation gesammelt:
1. Wenn wir uns beruflich isoliert fühlen, kann erhöhter Stress entstehen, da unser grundlegendes Bedürfnis nach Zugehörigkeit so nicht erfüllt werden kann4. Wenn wir für einen längeren Zeitraum isoliert sind und so unser Stresslevel steigt, trägt dies zu einem erhöhten Burnout-Risiko bei5.
2. Berufliche Isolation trägt durch den oft fehlenden sozialen Kontakt und Austausch zu einer reduzierten Produktivität bei. Denn im Team sind wir meist leistungsstärker als alleine1.
3. Ebenso schadet berufliche Isolation, gerade wenn diese in Zusammenhang mit unzureichender Kommunikation und gegenseitiger Unterstützung steht, der Teamarbeit im Allgemeinen. Dies ist vor allem bei der Arbeit in „virtuellen Teams“ besonders zu beachten6.
4. Sich im Team wohlzufühlen ist ein sehr wichtiger Gesichtspunkt im Job. Ist dies nicht gegeben, kann dadurch die Arbeitszufriedenheit sinken und wir fühlen uns allgemein nicht mehr so wohl mit unserer Arbeit2.
5. Berufliche Isolation kann außerdem zu einer höheren Rate an Jobwechseln beitragen, denn wenn wir uns nicht zugehörig oder gar ausgeschlossen fühlen, kann dies zu Unwohlsein im Team oder, wie in Punkt 4 bereits erwähnt, zu Unzufriedenheit im Job führen. Das kann so weit gehen, dass Betroffene ihren Job wechseln7.
3 Tipps gegen berufliche Isolation
Die Auswirkungen von beruflicher Isolation müssen wir aber keinesfalls einfach in Kauf nehmen. Egal ob wir online oder vor Ort arbeiten, es gibt so einige Tipps und Tricks, wie wir berufliche Isolation vermeiden oder zumindest verringern können:
1. Aktive Teilnahme an Teamevents und Meetings
Wenn wir vor Ort arbeiten, gilt es, sich aktiv ins Teamgeschehen einzubringen und den Kontakt zu seinen KollegInnen zu suchen und zu fördern. Auch die Teilnahme an Teamevents kann den Zusammenhalt untereinander stärken.
Beim Arbeiten aus dem Home-Office ist dies zwar schwieriger, aber dennoch eine wichtige Aufgabe. Zum Beispiel könntest du dich regelmäßig mit KollegInnen zu einer virtuellen Kaffeepause verabreden oder in der Kommunikation allgemein häufiger auf Telefon oder Videochat zurückgreifen, statt eine kurze E-Mail zu schreiben.
2. Offene Kommunikation und Feedback
Um die Teamdynamik zu verbessern und sich als Teil der Gruppe wohlzufühlen, hilft es, offen über Ideen, Anregungen oder auch das eigene Befinden in der Gruppe zu sprechen. Vielleicht geht es einem anderen Kollegen im Team genauso. Initiiere regelmäßig Gespräche mit Vorgesetzten und KollegInnen, auch um z.B. Feedback und Anregungen zu teilen.
3. Fördern von Teamarbeit
Auch wenn die Arbeit im Team virtuell und auch vor Ort herausfordernd sein kann, hilft sie, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Nutze zum Beispiel Online-Kollaborationstools wie Trello oder Asana, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Das regelmäßige Teilen des Fortschritts und der Austausch zum Projekt fördert so die Interaktion und reduziert unser Gefühl von Isolation.
Es ist seltsam, dass ich so oft der Einsamkeit überdrüssig bin, da ich doch allein sein muss, um überhaupt arbeiten zu können.
Albert Einstein
Quellen:
- Golden, T. D., Veiga, J. F., & Dino, R. N. (2008). The impact of professional isolation on teleworker job performance and turnover intentions: Does time spent teleworking, interacting face-to-face or having access to communication-enhancing technology matter? Journal of Applied Psychology, 92, 1412–1421. https://doi.org/10.1037/a0012722 ↩︎
- Morrison, R. (2004). Informal relationships in the workplace: Associations with job satisfaction, organizational commitment, and turnover intentions. New Zealand Journal of Psychology, 33(3), 114-128. ↩︎
- Pulido-Martos, M., Cortés-Denia, D., & Lopez-Zafra, E. (2021). Teleworking in times of COVID-19: Effects on the acquisition of personal resources. Frontiers in Psychology, 12. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.685275 ↩︎
- Ozcelik, H., & Barsade, S. G. (2018). No employee an island: Work loneliness and job performance. Academy of Management Journal, 61, 2343–2366. https://doi.org/10.5465/amj.2015.1066 ↩︎
- Card, K. G., Bodner, A., Li, R., Lail, S., Aran, N., Grewal, A., & Skakoon-Sparling, S. (2022). Loneliness and social support as key contributors to burnout among Canadians workers in the third wave of the COVID-19 pandemic: A cross-sectional study. Journal of Occupational Health, 64(1). https://doi.org/10.1002/1348-9585.12360 ↩︎
- Axtell, C. M., Fleck, S. J., & Turner, N. (2004). Virtual teams: Collaborating across distance. International Review of Industrial and Organizational Psychology, 19, 205-248. ↩︎
- Cooper, C. D., & Kurland, N. B. (2002). Telecommuting, professional isolation, and employee development in public and private organizations. Journal of Organizational Behavior, 23(4), 511-532. ↩︎